Gandhis Schuh

Eine meiner Lieblingsgeschichten über Mahatma Gandhi handelt davon, wie er einmal in einen extrem überfüllten Zug einsteigen will. Als der Zug schon losfährt und seine Freunde versuchen, ihn in den fahrenden Zug hochzuziehen, verliert er dabei einen Schuh, der auf dem Bahnsteig zurückbleibt. Sofort und ohne zu überlegen, wirft Mahatma Gandhi seinen anderen Schuh hinterher auf den Bahnsteig. Sein verbleibender Schuh war in diesem Moment nicht mehr für ihn von Nutzen, und der andere Schuh auf dem Bahnsteig war für keinen anderen zu gebrauchen. Zumindest eine Person hätte nun ein gutes Paar Schuhe.

Ein gut trainierter Körper kann durch Muskelkonditionierung große Leistungen auf hohem Niveau vollbringen, ohne dabei denken zu müssen. Auf die gleiche Weise kann ein gut trainierter Geist auf Situationen spontan mit Weisheit und Mitgefühl reagieren. In diesen Momenten gibt es keine Vorstellung von einem Selbst; was aber als Folge erscheint, ist eine tiefe Wertschätzung von der Schönheit des Dhamma.

Ajahn Jayasāro

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