Unwillkommene Gäste

Je mehr wir uns Sorgen machen, desto mehr wird dies zur Gewohnheit. Sich Sorgen machen wird zur Sucht. Haben wir nichts rationales, um uns Sorgen zu machen, finden wir etwas irrationales. Indem wir uns Sorgen machen über eine Art des Leidens, die vielleicht auftreten mag oder nicht, schaffen wir für uns auf jeden Fall in der Gegenwart Leiden. Und nicht nur beeinflussen Sorgen unsere geistige Gesundheit, sondern schwächen auch unser Immunsystem und machen uns anfällig für viele Arten körperlicher Krankheiten.

Nun was können wir dagegen tun? Als wichtigstes gilt es, unsere Aufmerksamkeit weg vom Objekt des sich Sorgens, hin zur Erfahrung des Sorgen machens an sich zu lenken. Und was werden wir dann als erstes feststellen? Dass ein Sorgegedanke einen Anfang und ein Ende hat. Er kommt und geht. Eine sehr simple Feststellung, aber eine sehr tiefgehende.

Sorgen sind bloße Besucher in unserem Geist; sie leben nicht dort. Wenn Sorgen aufkommen, heiße sie nicht willkommen, noch versuche sie zu verjagen. Erkenne ‚Sorgegedanken‘ als ‚Sorgegedanken‘, unwillkommene Gäste. Wenn wir dies mit Geduld und Ausdauer immer wieder und wieder tun, formen wir damit ein gesundes neues Gewohnheitsmuster im Geist. Sorgen werden dann allmählich verblassen und verschwinden.

Ajahn Jayasāro

Artwork by Shitou 石头