Yoniso manasikāra

Bei der Entwicklung der Pfadfaktoren Rechte Ansicht und Rechtes Denken spielt yoniso manasikāra eine entscheidende Rolle.
„Yoniso manasikāra“ ist ein schwer zu übersetzender Begriff. Man kann ihn mit „weises Erwägen“, „weises Betrachten“ und „überlegte Aufmerksamkeit“ übersetzen.
Es gibt zwei Arten von yoniso manasikāra. Die erste Art wird praktiziert, indem man Wahrnehmungsrahmen und systematische Reflexionen kultiviert, die auf dem buddhistischen Verständnis der Natur der Phänomene beruhen. Auf diese Weise können wir unheilsame Gedanken und Wahrnehmungen durch heilsame ersetzen. Ein Beispiel dafür wäre, über etwas in einer Weise nachzudenken, die zu Gefühlen der liebenden Güte führt und das verzerrte Denken ersetzt, das Ärger und Böswilligkeit fördert. 
Die zweite Art von yoniso manasikāra wird praktiziert, indem man über Erfahrungen im Licht der drei Daseinsmerkmale anicca, dukkha und anattā reflektiert. Diese Überlegungen beseitigen verblendete Gedanken aus dem Geist und bereiten einen Weg für tiefere Vipassanā-Erkenntnisse. Beispiele dafür sind die Betrachtung der unbeständigen, unvorhersehbaren Natur des Daseins; das Unvermögen, wahres Glück in vergänglichen Freuden zu finden; und die besitzlose, unkontrollierbare Natur der Dinge.

Ajahn Jayasāro
4/2/23