
In Großbritannien gibt es ein altes Sprichwort: „Unwissenheit ist ein Segen“. Es stammt von einem Gedicht aus dem 18. Jahrhundert, in dem der Dichter Thomas Gray vorschlägt, dass es in bestimmten Lebenslagen, in denen die Wahrheit schmerzhaft wäre, besser ist, sie nicht zu kennen.
Im Buddhadhamma ist es immer besser, die Wahrheit zu kennen. Der Buddha sagte: „Ich erkläre das Ende der Geistestrübungen für den Wissenden, nicht für den Unwissenden.“
Für jemanden, der die Wahrheit nicht kennt, ist das Nichtwissen ein Vakuum. Die Natur füllt es mit falschem Wissen und Verlangen, das sich als dukkha, als Leiden, manifestiert. Wenn man an ein Bahngleis gefesselt ist, wie in einem alten Stummfilm, mag es sich weniger stressig anfühlen, die Augen zu schließen, als der herannahenden Dampflok entgegenzusehen. Aber es wäre besser, herauszufinden, wie man die Knoten löst, um dann zu entkommen.
Das ist der entscheidende Punkt: Wo immer es an Verständnis mangelt, kommt es unweigerlich zu Geistestrübungen, die Leiden verursachen. Der einzige Weg, den Geist vor Geistestrübungen und Leiden zu schützen, besteht darin, die Weisheit zu entwickeln, die die Dinge in ihrem wahren Licht sieht. Der letztendliche Zweck der Praxis von Achtsamkeit und Samādhi besteht darin, diese Weisheit zu fördern.
Vorurteile, Grausamkeit und Gewalt wurzeln in der Unkenntnis der Dinge, wie sie sind. Ohne diese Unkenntnis können sie nicht existieren.
Menschen haben die Fähigkeit, das Erwachen zu erlangen, indem sie erkennen, wie die Dinge sind. Dies ist der Nährboden für einen vorsichtigen Optimismus in Bezug auf die Menschheit.
Ajahn Jayasāro
11/3/25
