
Die Dhammapraxis ist ein kontinuierlicher Prozess. Das Tiefgründige kann in seiner ganzen Tragweite nur von jemandem erfahren werden, der gelernt hat, mit dem Alltäglichen gut umzugehen. Es kommt nicht nur auf das an, was man weiß, sondern ob man sein Leben so lebt, dass man die Reife erlangt, die tiefgründige Wahrheit des Dhamma zu verinnerlichen.
Der Buddha und König Pasenadi von Kosala waren gleich alt. Der Buddha gab König Pasenadi über Jahrzehnte hinweg ein breites Spektrum an Belehrungen. Einmal wandte sich ein übergewichtiger König Pasenadi nach einer üppigen Mahlzeit schwer schnaufend an den Buddha.
Der Buddha sah seinen Zustand und rezitierte diesen Vers:
Für einen Menschen, der immer besonnen ist,
Der Maß zu halten weiß bei eingenommener Mahlzeit,
Für den gibt es nur geringe Schmerzen,
Langsam altert er, seine Lebenskraft bewahrend.
(SN.3.13)
König Pasenadi befahl sogleich Sudassana, einem jungen Mitglied seines Gefolges, den Vers auswendig zu lernen und ihn von diesem Tag an beim Essen zu rezitieren. Es funktionierte.
König Pasenadi begann, Gewicht zu verlieren. Einige Zeit später, schlank und gesund, staunte König Pasenadi, wie ihn der Buddha aus Mitgefühl in allem unterrichtete, vom Alltäglichen bis zum Tiefgründigen.
In der Tat ist diese Lehre vom maßvollen Umgang mit Nahrung ein Beispiel für eine Lehre, die über die Unterscheidung zwischen weltlichen und tiefgründigen Praktiken hinausgeht. Der Buddha bezeichnete sie zusammen mit der Sinnesbeherrschung und der Wachsamkeit als Lehren, die „niemals falsch sind“.
Ajahn Jayasāro
22/4/25
