Zweck und Mittel nicht verwechseln

Der nicht erleuchtete Verstand tendiert dazu, Mittel zum Zweck zu machen. Das offensichtliche Beispiel ist Geld. Wenn die Anhäufung von Reichtum zum Selbstzweck wird, führt das zu allen möglichen toxischen Erscheinungen, sowohl persönlich als auch gesellschaftlich. Der Buddha kritisierte den Erwerb von Reichtum als solchen nicht, aber er verurteilte das Horten von Reichtum. Er lehrte, dass Reichtum auf ethische Weise erworben und dann für das Glück und Wohlergehen von einem selbst und anderen verwendet werden sollte.
Im Buddhismus wird der Glaube als Mittel und nicht als Ziel oder Zweck betrachtet. Seine Aufgabe ist es, den Geist zu beflügeln, indem er Ziele und Werte klärt. Aber er muss auch von Weisheit geleitet werden, denn im Übermaß führt er leicht zu Aberglauben und Fanatismus. Diese differenzierte Sichtweise des Glaubens ist ungewöhnlich: In vielen Gesellschaften wird der Glaube heute eher als Zweck denn als Mittel betrachtet. Ein gewisses Maß an Glauben an etwas zu haben, wird als Beweis für das Gute angesehen. Es herrscht die magische Vorstellung, dass etwas wahr wird, wenn man nur fest genug daran glaubt. Der Glaube selbst wird zu einem falschen Gott.
Im Buddhismus kommen wir immer wieder auf das Gefüge aus Ursachen und Bedingungen zurück, das unser Leben bestimmt.
Wir vereinfachen, wo immer wir können, aber wir dürfen dabei nicht vergessen, dass die Vereinfachung auch ein Mittel ist, nicht der Zweck.
Manchmal müssen wir mit der Komplexität Frieden schließen.

Ajahn Jayasāro
19/7/25