Dhammastudium und Dhammapraxis

Als ich ein junger Mönch war, wurde das akademische Studium des Dhamma in bestimmten Kreisen als unnötig und sogar als schädlich für die Praxis abgetan. Man war der Ansicht, dass das Studieren den Geist mit Konzepten fülle, die die Fähigkeit, direkt auf den Geist zu schauen, eher behindern als fördern würden. Es sei Zeitverschwendung und Selbstgefälligkeit.
Wie stichhaltig ist diese Ansicht? Ist Studium überhaupt notwendig? Wenn ja, wie viel? Es stimmt, dass Studium zum Selbstzweck werden und von der Praxis ablenken kann. Es kann sogar dazu führen, dass es die Praxis vollständig ersetzt. Wenn der Kampf mit den Hindernissen endlos erscheint, ist die Befriedigung, die mit intellektuellem Verständnis einhergeht, verlockend.
Die Lehren des Buddha bieten jedoch eine neue Herangehensweise an Erfahrungen, die zunächst begriffen und konzeptuell verarbeitet werden muss, bevor sie auf einer nicht-konzeptuellen Ebene integriert werden kann.
Zentrale Lehren wie beispielsweise die fünf khandas bilden die Grundlage für kontemplative Betrachtungen, die den Geist zu einer tieferen, Gedanken-freien Einsicht in die drei Merkmale führen.
Wir beginnen unsere buddhistische Praxis nicht mit einem unbeschriebenen Blatt. Wir haben viele falsche Ansichten aufgenommen; unser Geist ist durch Begierden, Anhaftungen und Dünkel verunreinigt. Das Studium der Lehren des Buddha ist der erste integrierte Schritt zur vollständigen Umerziehung von Körper, Sprache und Geist, um sie in Einklang mit „dem, wie die Dinge sind“ zu bringen.

Ajahn Jayasāro 
5/8/25