
Manchmal scheint die Vorstellung, dass der Geist lediglich ein Epiphänomen oder eine aus dem Gehirn hervorgehende Eigenschaft ist, den Status eines religiösen Dogmas zu bekommen. Eines der stärksten Gegenargumente für diese Ansicht sind Nahtoderfahrungen (NTEs).
Der wohl bekannteste Fall einer Nahtoderfahrung ist der von Pam Reynolds, einer Frau aus Atlanta, Georgia, der 1991 ein großes Hirn-Aneurysma in einer „Stillstandsoperation“ entfernt wurde. Bei diesem Eingriff wurde ihr Körper auf 15 °C abgekühlt, ihr Herzschlag und ihre Atmung wurden gestoppt, das Blut wurde aus ihrem Kopf abgelassen, ihre Augen wurden mit Klebeband zugeklebt und in ihre Ohren wurden Lautsprecher gesteckt, die einen Strom lauter, klickender Geräusche abgaben. Während der Operation war Pam klinisch tot. Das EEG zeigte eine flache Linie, und die Hirnstamm-Messungen (BAEPS) waren gleich Null.
Nach der Operation beschrieb Pam, wie sie sich aus ihrem Körper löste und über dem Operationstisch schwebte, wo sie den gesamten Eingriff beobachtete. Zu den Dingen, an die sie sich erinnerte, während sie „hirntot“ war, gehörten ein chirurgisches Werkzeug, das abgedeckt und für die Patientin unsichtbar war, Gespräche zwischen dem OP-Personal und die Musik, die gespielt wurde.
Es steht außer Frage, dass das Gehirn eine wichtige Rolle bei der Ausprägung des Bewusstseins spielt. Die Auswirkungen von Psychopharmaka und von Hirnschädigungen zeigen dies. Der Glaube, dass es ohne das Gehirn keinen Geist, überhaupt kein Bewusstsein gibt, geht jedoch entschieden zu weit.
Ajahn Jayasāro
26/8/25
