Mit Angst umgehen lernen

Unsere Geisteszustände ändern sich so leicht; sie sind wie Kajaks.
Unser Körper hingegen verändert sich viel langsamer, eher wie ein Öltanker.
Der Geist kann plötzlich von Angst erfüllt sein und ebenso plötzlich wieder frei davon sein. Der Körper braucht Zeit, um wieder zur Normalität zurückzukehren. Adrenalin und Cortisol, die bei der Wahrnehmung von Gefahr ausgeschüttet werden, verschwinden nicht einfach auf Knopfdruck. Der Körper bleibt eine Weile in einem Zustand der Erregung, der leicht neue Wellen von Angstgedanken auslösen
kann.
Aus diesem Grund müssen wir, wenn Angst aufkommt, gleichzeitig mit ihren körperlichen und geistigen Ausdrucksformen umgehen. Indem wir unsere Aufmerksamkeit auf die körperliche Erfahrung der Angst lenken, mit einer offenen, neugierigen Haltung, die genau hinschaut, wie sie sich anfühlt, üben wir uns darin, mit Gleichmut ganz bei den Empfindungen zu sein.
Das beruhigt den Körper, und gleichzeitig verhindern wir durch die Konzentration auf den Körper die geistigen Ausschweifungen.

Ajahn Jayasāro
28/10/25