Innere Stimmen

Wir denken oft in Stimmen. Beobachte mal, wie das Denken dabei häufig mit kleinen Bewegungen der Zunge, des Kehlkopfes und der Stimmbänder einhergeht. Eine Möglichkeit, unkontrollierte Gedanken zu stoppen, besteht darin, die Zunge gegen den Gaumen zu drücken und sich darauf zu konzentrieren, sie ruhig zu halten.
Von den Stimmen selbst sind die am realsten, die am häufigsten vorkommen. In der Propaganda führt das ständige Wiederholen einer Aussage oft dazu, dass die Leute sie glauben, einfach weil sie sie so oft hören. In unserer inneren Welt identifizieren wir uns mit Wörtern und Sätzen, die immer wieder auftauchen, einfach weil sie so oft wiederholt werden. Es ist ein Teufelskreis: Je öfter die Wörter auftauchen, desto mehr identifizieren wir uns mit ihnen; je mehr wir uns mit ihnen identifizieren, desto öfter tauchen sie auf. Zum Beispiel werden innere Worte der Selbstkritik zum inneren Kritiker, der zu dem wird, was wir glauben zu sein. Ein trauriges Ergebnis.
Aber die Worte in unseren Köpfen sind nur Worte. Sie sind genauso wenig das, was wir sind, wie ein Niesen.

Ajahn Jayasāro 
25/11/25