Wahres Vertrauen

Saddhā ist ein Vertrauen und eine Zuversicht in die Weisheit und das Mitgefühl des Buddha, das dadurch entsteht, dass man seine Lehren hört oder liest oder mit jemandem in Kontakt kommt, der diese verkörpert.
Das Besondere an Saddhā (üblicherweise mit „Glaube“, englisch faith, übersetzt) ist, dass es sich im Rahmen überprüfbarer Hypothesen anstelle von nicht nachvollziehbaren Dogmen entfaltet.
Das grundsätzliche Vertrauen eines Buddhisten besteht darin, dass der Buddha wahrhaft erleuchtet ist, dass der Dhamma einen wahren Weg zur Befreiung aufzeigt und dass es Männer und Frauen gibt, die durch die Praxis des Dhamma die Befreiung verwirklicht haben. Kurz gesagt ist saddhā die Zuversicht, dass Befreiung möglich ist und der Achtfache Pfad dorthin führt, alles aufgrund des Gesetzes von Kamma.
Saddhā geht einher mit einem Gefühl von Klarheit, Helligkeit und Erhebung im Geist. Es wird mit einem wasserklärenden Edelstein verglichen, der dafür sorgt, dass sich der gesamte Schlamm in einem trüben Teich auf den Grund absetzt. Der eigene Weg erscheint klar. Saddhā vereinfacht, setzt Prioritäten. Der Geist wird durch die Abwesenheit von Zweifeln energetisch und empfindet Freude. Diese angenehmen psychologischen Wirkungen können auch durch den Glauben an Dogmen entstehen und erklären, warum der Glaube das Fundament der meisten Religionen bildet.
Im Buddhismus gibt es jedoch einen zusätzlichen Vorteil. Da sich die Lehren in erster Linie mit der in Befreiung resultierenden Schulung von Handlung, Sprache und Geist befassen, führen sie auch zu Streben und Anstrengung. Tatsächlich ist das Bestreben, die Lehren durch praktische Umsetzung zu überprüfen, der deutlichste Hinweis darauf, dass wahres Vertrauen vorhanden ist. Der Weg zur Befreiung ist nicht einfach. Saddhā ist die unerschütterliche Zuversicht, die uns durch dick und dünn trägt.

Ajahn Jayasāro
20/6/26