Es gibt keinen natürlichen Grund, warum rot »halten« und grün »fahren« bedeuten sollte. Und doch, sobald wir eine Ampel erreichen, halten wir bei rot und fahren bei grün.
Wir tun dies, da wir alle der Bedeutung von rot und grün in diesem Kontext zustimmen. Es gibt so viele Dinge in unserem täglichen Leben, die von einer gemeinsam geteilten Abmachung abhängen.
Ein anderes offensichtliches Beispiel ist Geld. Es gibt da keinen natürlichen Grund, warum wir eine Banknote für Güter oder Leistungen eintauschen können sollten. Wir können dies tun, da wir alle zustimmen, dass dies zu tun möglich sei. Eine Sache, die aufgrund eines gemeinsamen Abkommens existiert, nennt man Konvention.
In der Fähigkeit, Konventionen zu schaffen, erkennen wir die Genialität menschlicher Intelligenz. Unser Problem mit Konventionen allerdings liegt darin, dass wir dazu neigen, sie mit natürlichen Wahrheiten zu verwechseln. Wir schreiben ihnen zu große Bedeutung zu, haften ihnen an und leiden deshalb.
Die fundamentalste unserer Konventionen und die, der wir am meisten anhängen, ist die Vorstellung von einem Selbst. Im Buddhismus lehnen wir Konventionen nicht ab. Wir lernen aber, Konventionen als Konventionen zu sehen, ohne sie für letztendlich real zu halten.
Dadurch sind wir in der Lage, Konventionen weise zu nutzen. Wir können dann in einer Welt der Konventionen leben, ohne dabei von ihnen verblendet zu werden.
Ajahn Jayasāro


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