Die buddhistischen Tugendregeln sind keine Gebote. Es gibt keinen Gebieter. Die Motivation, diese Verhaltensregeln einzuhalten, ist nicht der Wunsch nach Belohnung oder Angst vor Bestrafung. Die Tugendregeln sind Objekte der Achtsamkeit, die aus freiem Willen selbstständig aufgenommen werden müssen, nachdem deren Wert deutlich erkannt wurde. Das Einhalten von Tugendregeln fördert sowohl ein sicheres und vertrauensbildendes Umfeld, als auch eine innere Freiheit von Schuld- und Reuegefühlen.
Im täglichen Leben, wo die Anzahl der Grauzonen bei weitem die der klar schwarz-weiß Verhältnisse übersteigt, bietet die Achtsamkeit von Tugendregeln klare Richtlinien für unser körperliches und sprachliches Verhalten. Sie wirken unserer Tendenz entgegen, immer unseren Stimmungen und Launen zu folgen und den Verblendungen Rechtfertigungen zu geben. Die Befolgung der Tugendregeln bewahrt uns vor schlechtem Kamma und dessen Resultaten.
Ajahn Jayasāro
