Der Freitagabend-Verkehr in Bangkok war gestern aufgrund eines Regensturms noch schlimmer als gewöhnlich. Ich war gerade auf dem Weg nach Ubon zur jährlichen Vollversammlung der Ajahn Cha-Sangha. Die Fahrt zum Flughafen dauert normalerweise ca. 30 Minuten, aus denen aber gestern zwei Stunden wurden. Ich verpasste natürlich meinen Flug. Und nach weiteren zwei Stunden im Auto erreichte ich schließlich wieder den Ort, von dem ich meine Reise begonnen hatte.
Meine Dhamma-Praxis während dieser Fahrt bestand darin, meinen Geist vor Gefühlen der Frustration und Vorstellungen von vergeudeter Zeit zu beschützen. Ich reflektierte darüber, dass obwohl ich keinerlei Kontrolle über Verkehr und Wetter hatte, ich aber wohl darüber entscheiden konnte, ob ich nun in heilsamen oder unheilsamen Vorstellungen verweilte. Egal in welchen äußeren Umständen wir uns auch befinden mögen, jeder einzelne Moment, in der der Geist ein ruhiges, klares Gewahrsein besitzt, ist Zeit wohl verbracht.
Als ich dann vor meiner Kuti (Mönchshütte) in Bangkok wieder aus dem Auto stieg, fühlte ich mich körperlich ein wenig erschöpft, jedoch eines leichten Herzens.
Ajahn Jayasāro
(PS: Ich schreibe dies gerade von meinem umgebuchten Flug aus, während wir uns über den Reisfeldern Nordostthailands befinden)


Chinese Artwork by Yu Biaoguo