„False“ Remorse / „Falsche“ Reue

Es gibt da eine Geschichte über einen großen Mönch in Thailand, der es bevorzugte, sehr bescheiden zu leben. Obwohl er den höchsten Mönchsrang und -titel eines Somdets inne hatte, reiste er oft allein mit dem Zug dritter Klasse in weit entlegene Provinzen. Die meisten Menschen, denen er begegnete, hielten ihn lediglich für einen einfachen Luang Ta, einen älteren Mönch, der erst in hohem Alter ins Mönchstum eingetreten war, um noch am Lebensabend etwas gutes kammisches Verdienst zu sammeln.

Auf einer solchen Reisen nun geschah es, dass ihn im Zug ein wohlhabender Mann, der schon seit Abfahrt schwer am trinken war, auf schroffe Weise anrempelte und mit ungehobelten und respektlosen Worten ansprach.

Am darauffolgenden Tag am Zielort angekommen, hielt einer der reichsten Landbesitzer der Provinz eine Hauseinweihungsfeier, auf die auch der Ungehobelte als Gast eingeladen war. Als er das Haus betrat, musste er mit Entsetzen feststellen, dass der Ehrengast der Feier, niemand anderes war, als der alte Mönch, den er am Vortag im Zug so respektlos angepöbelt hatte. Sich schnell irgendwo ein paar Kerzen und Blumen zusammen borgend, verbeugte er sich tief vor dem Somdet und bat diesen für sein ungehobeltes Verhalten vom Vortag demütig um Vergebung. Der Mönch antwortete ihm in ernstem Ton, dass es nicht nötig sei, den Somdet um Verzeihung zu bitten, da er sich ja dem Somdet gegenüber niemals falsch verhalten hatte. Er solle deshalb besser den alten Mönch im Zug aufsuchen und eher diesen um Vergebung bitten.

Ajahn Jayasāro