Wir Menschen haben uns darauf geeinigt, dass es da etwas gibt, das „Zeit“ genannt wird, und anhand von Uhren und Kalendern gemessen werden kann. Aber was genau in der realen Welt unseres direkten Erlebens ist diese Zeit? Können wir Zeit genauso erfahren wie wir sichtbare Formen, Klänge oder Gerüche wahrnehmen? Nein, würde ich sagen. Was wir beobachten können ist einzig eine Wahrnehmung des „Zeitvergehens“, wenn wir beispielsweise auf eine Uhr schauen oder die Position von Sonne oder Mond verfolgen. Aber die Zeit ansich ist schwer fassbar, und es stellt sich die Frage: Ist sie überhaupt ein Etwas? Das ist nicht nur ein rein philosophisches Gedankenspielchen. Angesichts der vielen Menschen die gerade auf der ganzen Welt, in ihren Wohnungen ausharren müssen, ist es wichtig zu erkennen, wie unser Verständnis von Zeit unsere Gefühle bestimmt. Wenn wir uns die Zeit als eine Entität vorstellen, die aus Tagen, Wochen und Monaten besteht, die es unbedingt irgendwie gilt, mit diesem oder jenem auszufüllen, wird Leidensdruck unweigerlich die Folge sein.
Aber wir können die Zeit auch anders betrachten: als eine Abfolge von gegenwärtigen Momenten. Wir müssen keine Anstrengungen unternehmen, im gegenwärtigen Moment zu sein. Wir sind und waren schon immer in ihm. Die Herausforderung besteht einfach darin, zu dem zu erwachen, was bereits der Fall ist. Nachdem man nun gezwungen ist, das Leben zu verlangsamen und zu vereinfachen, ist jetzt die Gelegenheit, einen Weg zurück in den gegenwärtigen Moment zu finden. Frei von obsessiven Gedanken, Erinnerungen und Phantasien,…… was ist das?
Ajahn Jayasaro
