Die große Unverlässlichkeit/Turning of the Tides

Als ich zum ersten Mal Ajahn Chahs Lehre über Unsicherheit und Unvorhersehbarkeit sowie von der Notwendigkeit ständiger Wachsamkeit hörte, war ich zutiefst ergriffen. Denn genau dies waren einige der wichtigsten Lektionen, die ich in den vorangegangen paar Jahren lernen durfte. Hier ein Beispiel um es euch zu veranschaulichen: Es war 1976, als ich als 18-jähriger mit glattem Milchbübchengesicht gerade in Mashhad im Nordosten Irans unterwegs war, und versuchte per Anhalter nach Teheran zu trampen. Am späten Nachmittag dann auf einmal wurde ich vom Glück geküsst: Ein riesiger Container-Lastwagen machte halt. Und von einem Moment auf den anderen fand ich mich auf einem luxuriösen Sitz in einer klimatisierten Fahrgastzelle wieder. Dieses Upgrade fühlte sich so gut an, in starkem Kontrast zu den vorher gewohnten schäbigen Lastkarren und Motorrollern. Aber später in jener Nacht, als wir gerade eine Bergkette überquerten, parkte der Fahrer plötzlich am Seitenstreifen der Bergstraße. Er bestand darauf, dass wir die Nacht zusammen im Bett hinter den Sitzreihen verbringen! Als ich mich allerdings vehement weigerte, wurde er gewalttätig. Nach einem kurzen Abwehrkampf, schaffte ich es irgendwie, die Tür zu öffnen und sprang auf die Straße. Fluchend, sprang er mir hinterher, aber ich konnte mich schnell tiefer im dunklen Wald hinter Bäumen verstecken. Wutentbrannt fuhr er davon und ließ mich allein in der Dunkelheit und Kälte zurück. Mir blieb nichts anderes übrig, als weiter entlang der Straße zu laufen, um mich irgendwie warm zu halten.

Nach ungefähr einem Kilometer, erblickte ich ein Restaurant. Ich ging um das Gebäude herum und suchte nach einem offenen Fenster, aber es gab keines. Da bemerkte ich auf einmal einen großen Perserteppich, der an einer Außenwand lehnte. Ich hatte eine Idee. Ich rollte ihn im Hinterhof aus und legte mich darauf. Ein Ende des Teppichs greifend, rollte ich mich komplett in den Teppich ein, und machte mir so ein warmes, gemütliches Nest. Nicht lange und ich schlief wie ein Murmeltier. Früh am nächsten Morgen machte ich mich dann wieder auf den Weg entlang der Straße. Aber es waren immernoch sehr wenige Autos unterwegs und ich war nicht gerade optimistisch eine Mitfahrgelegenheit zu ergattern.

Jedoch hielt schon das zweite Auto an. Es war eine Familiengruppe. Und ehe ich mich versah, saß ich im Auto und teilte ein Frühstück mit drei süßen Kindern: „Ahhhh!“ dachte ich innerlich, „Happy End einer wirklichen Horror-Nacht“. Und dann, nicht mehr als 10 Kilometer den Berg hinunter, hatte das Auto eine Panne. Es war ernst und es würde Stunden dauern, bis Hilfe eintraf. Wiederwillig verabschiedete ich mich und lief mal wieder die Straße entlang. „Nun“, dachte ich bei mir, „man kann wirklich, aber auch wirklich nichts für selbstverständlich halten!“

Ajahn Jayasaro