„Ein weiteres Jahr ist also vergangen. Es war ein sehr schwieriges Jahr, für alle, denke ich. Aber was ich heute gerne mit euch teilen möchte, ist der Hinweis, dass Schwierigkeiten, Herausforderungen und Probleme, nicht unbedingt zu Leiden führen müssen.
Zumindest aber können wir die Menge des Leidens in unserem Leben reduzieren und die Menge des Glücks erhöhen, indem wir Verantwortung für unseren Körper, unsere Sprache und unseren Geist übernehmen. Das ist etwas, was wir alle tun können. Und wenn wir uns wirklich genau beobachten, werden wir sehen, dass ein Großteil unseres Leidens darin besteht, dass wir über die Probleme nachdenken und uns wegen ihnen Sorgen machen, anstatt uns mit den Problemen selbst zu beschäftigen. Gehen wir die tatsächlichen Problemen an, haben wir nicht wirklich eine Wahl: Ein Schritt nach dem anderen, eine Sache nach der anderen.
Jedoch ist es das Grübeln an sich, das Erwarten, Hoffen, das sich Sorgen machen, der ganze mentale Stress, der heutzutage das Leben der Menschen so miserabel macht. Zudem macht es die schlechten Dinge noch um einiges schlimmer, als sie eigentlich sein müssten.
In diesem neuen Jahr möchte ich deshalb jeden dazu ermutigen, zu seinem Körper und zu seinem Geist zurückzukehren und zu lernen, wie man sich um beide wahrhaftig kümmert. Denn genau das ist es, was zu einem glücklichen neuen Jahr führen wird.
Betrachte ich zum Beispiel meinen eigenen Geist, sehe ich deutlich, dass ich mich immer dann richtig gut fühle, wenn ich über die Freundlichkeit und Güte anderer nachdenke, über die Großzügigkeit anderer, über all das, wovon ich profitiert habe, von meinen Eltern, meinen Lehrern, meinen Freunden, meinen Schülern.
Es ist wie ein Schlüssel zum Glück. Genau in den Momenten, in dem man seine eigene Selbstbezogenheit einmal zurücksteckt und über all das nachdenkt, was einem im Leben von andere gegeben wurde, fühlt man sich einfach direkt glücklich.
Aber im Moment, in dem wir einen Gedanken oder eine Erinnerung aufgreifen und eine Geschichte daraus spinnen, wird alles so real und es scheint, als würden wir vom Schmerz und den Schwierigkeiten in unserem Leben vollständig verzehrt.
Wenn wir aber genau hinschauen, können wir sehen, dass der ganze Prozess mit dem Aufspringen und Festhalten eines einzigen Gedankens beginnt. Ist aber unser Geist scharf, hell und klar genug, müssen wir das ganze jedoch nicht tun. Es ist, als ob jemand an der Tür klopft, man muss ja nicht aufmachen. Man muss nicht mit der Person kämpfen, die da an die Tür klopft. Man muss die Tür nicht öffnen. Man ist sich des Klopfens bewusst und lässt es vorbeiziehen.
Wir befinden uns gerade in Zeiten unglaublicher und rasanter Veränderungen und viele davon sind nicht so angenehm. Aber wir alle verfügen über die inneren Ressourcen, um mit dem umgehen zu können, was das Leben uns entgegen wirft, wenn wir nur bereit sind, Zeit und Energie in ihre Kultivierung zu investieren.
Deshalb wünsche ich euch allen die Hingabe und den Enthusiasmus zu eurem eigenen wahren Wohlbefinden und hoffe, dass ihr die Zeit und Inspiration findet, euch wahrlich um euren Körper, eure Sprache und euren Geist zu kümmern.
Ich wünsche euch allen nur das Beste für das kommende neue Jahr. „
Ajahn Jayasaro