
Vor kurzem habe ich mit jemandem gesprochen, der sich am Ende einer erfolgreichen und erfüllenden Karriere befindet. Er sagte mir, dass er sich bei der Arbeit so motiviert fühle wie eh und je, aber zu Hause immer wieder von Depressionen heimgesucht werde. Wir sprachen darüber, dass die Identifikation mit einer Rolle die Trennung von dieser schmerzhaft macht. Ich erklärte, wie man das Gefühl, jemand zu sein, mit dem Gewahrwerden, niemand zu sein, in Einklang bringen kann. Am Ende unseres Gesprächs schien er voller Energie zu sein und sagte, er würde heimgehen und versuchen zu lernen, wie man niemand ist. Ich sagte: „Nein, das habe ich Ihnen nicht gesagt. Es geht nicht darum, etwas oder auch nichts zu werden. Es geht darum, in das überzugehen, was immer schon ist.“
Wir können Formen und Klänge wahrnehmen, heiß und kalt, mögen und nicht mögen, Freude und Schmerz und so weiter. Jedes Ding, das wir kennen, hat seine eigenen, unverwechselbaren Eigenschaften. Aber das Gewahrsein selbst, ob über innere oder äußere Phänomene, hat nur ein Aroma. Das wahrnehmende Bewusstsein selbst hat keine Persönlichkeit, es ist nicht jemand Bestimmtes. Das ist die unpersönliche Dimension von Erfahrung. Wenn wir wissen, wie wir immer wieder zum Bewusstsein selbst zurückkehren können, wie wir bei ihm verweilen können, verändert sich unser Leben. Wir können alles Mögliche sein, wir können von anderen als alles Mögliche wahrgenommen werden und uns nicht eingeengt fühlen. Allein oder von Hunderten von Menschen umgeben fühlen wir uns wohl.
Ajahn Jayasāro
21/1/25
