
Es mag manchmal den Anschein haben, dass die Verwirklichung des Dhamma zur Zeit des Buddha recht einfach und unkompliziert war. Aber die Texte zeigen, wie schwierig es für die meisten Menschen selbst in jenen Tagen war.
Bhikkhunī Sīha ist ein extremes Beispiel. Nach sieben Jahren der Praxis geriet sie in so tiefe Verzweiflung, dass sie beschloss, sich zu erhängen. Doch gerade die Vorbereitungen auf ihr Lebensende lösten so tiefgreifende Einsichten in Vergänglichkeit, Leid und Nicht-Selbst aus, dass sie noch vor der Tat zur Arahant-Schaft erwachte.
Im Therīgāthā schildert eine andere Bhikkhunī-Arahant, Sama, ihre eigenen Frustrationen – und wie sie sich schließlich auflösten:
„Es vergingen fünfundzwanzig Jahre, nachdem ich Nonne geworden war, ohne jegliche Gelassenheit. Keine Beherrschung des Geistes, kein innerer Frieden. Aber dann, als ich mich auf die Lehren des Buddha besann, wurde ich von einem tiefen Gefühl der Dringlichkeit erfasst.
Ich habe in meinem Leben viel Leid erfahren, aber dadurch, dass ich Freude an der Achtsamkeit gefunden habe, habe ich das Verlangen zerstört und die Unterweisung des Buddha abgeschlossen. Heute ist der siebte Tag, seit das Verlangen erloschen ist.”
Der Buddha ist der große Mediziner. Aber seine Lehren sind keine Pillen, die man einfach schluckt – sie sind vielmehr eine Salbe, die man immer und immer wieder in sein Herz einmassieren muss, bis man die Wirkung endlich spürt. Es kann sieben Tage dauern, sieben Jahre oder sieben Leben. Oder noch länger. Das ist völlig in Ordnung.
Ajahn Jayasāro
8/3/25
