Vom Umgang mit Fakten

Früher waren Fakten handfeste, verlässliche Sachverhalte. Man spielte sie wie Trumpfkarten aus und sagte: „Das sind die Fakten …“, und alle Zweifel waren vom Tisch. In der heutigen Zeit hingegen sind Fakten eher vage und auslegungsfähig. Du hast eben deine Fakten und ich habe meine.
Heutzutage ist der Informationsfluss durch Fehlinformationen und Desinformation fast völlig vergiftet. Je mehr Zugang wir zur Welt der „Fakten“ haben, desto mehr verschließen wir unseren Geist.
Was tun?
Als Meditierende beobachten wir ständig unsere Absichten und Geisteszustände. Wir hinterfragen uns selbst: Was wollen wir glauben? Warum? Wie wichtig sind unsere Überzeugungen für die Aufrechterhaltung von Selbstbildern, an denen wir festhalten? Ergreifen wir Maßnahmen, um unsere Überzeugungen vor Angriffen zu schützen? Wie fühlen wir uns, wenn sie infrage gestellt werden?
Wir beobachten unsere Neigung, Tatsachen, die uns unangenehm sind, zu ignorieren, herabzuwürdigen, abzulehnen oder anders zu interpretieren.
Wir können nicht sicher sein, dass alle Aussagen, die sich als Fakten präsentieren, der Wahrheit entsprechen. Aber wir können vorsichtig, umsichtig und kritisch sein, wenn wir Medien konsumieren.
Das reicht jedoch nicht aus. Am wichtigsten ist es, Körper und Geist genau zu beobachten. Gibt es dukkha? Was ist die Ursache dafür? Wie kann die Ursache beseitigt werden? Das ist der Weg zum Frieden.

Ajahn Jayasāro
29/7/25