Es wird erzählt, dass Abraham Lincoln einmal jemanden fragte: „Wenn man den Schwanz eines Pferdes als Bein bezeichnen würde, wie viele Beine hätte das Pferd dann?“ „Fünf“, lautete die prompte Antwort. „Nein“, sagte Lincoln, „vier. Wenn man einen Schwanz als Bein bezeichnet, wird er dadurch noch lange nicht zu einem Bein.“
Ajahn Chah vertrat einen ähnlichen Standpunkt. Er sagte zu den Dorfbewohnern: „Ihr bezeichnet eine Veranstaltung als verdienstbringend, aber ihr schlachtet einen Wasserbüffel, um die Gäste zu verköstigen, und die Hälfte der Anwesenden ist betrunken. Etwas als Verdienst zu bezeichnen, macht es noch lange nicht zu einem Verdienst.“
Das Problem sind die Worte, die wir mit Ideen verbinden, und die Ideen, die wir mit Worten verbinden. Wenn wir falsche Vorstellungen von Verdienst (gutes Kamma) und Verfehlung (schlechtes Kamma) haben, können wir Freude dabei empfinden, schlechtes Kamma zu erzeugen, weil wir glauben, es sei gut, und können ebenso stolz darauf sein, gutes Kamma zu meiden, weil wir glauben, es sei schlecht. Um ein altes Sprichwort leicht abzuändern: „Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten und Denkfehlern gepflastert.“
Achtsamkeit im Umgang mit Worten ist heutzutage eine unverzichtbare Praxis. Wenn Worte uns emotional beeinflussen oder uns zu bestimmten Handlungen ermutigen, ist das ein Signal, besonders aufmerksam darauf zu achten, wie diese Worte verwendet werden.
Ajahn Jayasāro
30/8/25
