
Ein altes Sprichwort lautet: Wenn ein Taschendieb einen Heiligen sieht, schaut er nur auf dessen Taschen. Von all den Dingen, denen wir unsere Aufmerksamkeit schenken könnten, treffen wir eine Auswahl. Wir geben manchen Dingen Vorrang und ignorieren oder übergehen andere. Häufig merken wir das gar nicht, weil die Dinge, denen wir Aufmerksamkeit schenken, scheinbar ganz natürlich in unser Blickfeld geraten.
Auch die Art und Weise, wie wir uns mit Dingen beschäftigen, ist von Bedeutung. Wir fügen ständig Interpretationen hinzu. Jemand lächelt oder runzelt die Stirn, kommt auf uns zu oder wendet sich von uns ab, und wir interpretieren das und ziehen daraus Schlussfolgerungen. Diese Schlussfolgerungen scheinen Teil der Beobachtung selbst zu sein.
In der Dhamma-Praxis lernen wir, unsere Erfahrungen zu analysieren. Wir erkennen Sinnesbewusstsein als Sinnesbewusstsein; körperliche Reaktionen als körperliche Reaktionen; angenehme, unangenehme und neutrale mentale Reaktionen als Gefühlstöne; Gedanken, Schlussfolgerungen, Überzeugungen und Zweifel als mentale Formationen. Das klingt nach viel Arbeit, bedeutet aber einfach, die konzeptuellen Werkzeuge Buddhas zu nutzen, um zu sehen, was wirklich von Moment zu Moment geschieht.
Je klarer wir sehen, desto schwächer wird die Vorstellung von „ich“ und „mein“. Je mehr sich unsere „ich“ und „mein“ Annahmen abschwächen, desto besser für alle.
Ajahn Jayasāro
4/11/25
