
In dieser alten Geschichte beschließt ein König, dass überall, wo er geht, der Boden mit Gold gepflastert werden soll. Eine Krise droht: Die Steuern, die für so ein Projekt nötig wären, würden viel Elend bringen. Ein kluger Minister löst das Problem, indem er dem König ein Paar Schuhe mit vergoldeten Sohlen schenkt. Die Geschichte zeigt uns, dass wir unsere Einstellung zu unserer Umgebung ändern sollten, anstatt immer zu versuchen, die Umgebung selbst zu verändern. Seit meiner Kindheit mag ich diese Geschichte sehr und erzähle sie bis heute weiter.
Für mich bedeutet diese Geschichte aber nicht, dass wir unsere Bürgersteige nicht in gutem Zustand halten müssen. Oder dass es eine einzige Sichtweise auf die Welt gibt, die uns unabhängig von den Umständen in guter Stimmung hält. Vielmehr ermutigt sie uns, uns bewusst zu machen, wie wir Situationen wahrnehmen, durch welchen Rahmen wir sie betrachten. Sehr häufig verschlimmern wir durch unser Denken die Probleme oder machen sie unnötig kompliziert. Stattdessen können wir uns fragen: „Welche einfache Änderung meiner Denkweise könnte im Moment einen Unterschied machen?“
Es war einmal (vor zwei Tagen) ein Mönch, der sich an einem sehr belebten öffentlichen Ort befand. Er wartete. Und wartete. Er gab sich die Aufgabe, 108 aufeinanderfolgende Atemzüge zu zählen. Der Wunsch, diese Aufgabe vor seinem Aufbruch zu erledigen, veränderte seine Wahrnehmung der verstreichenden Zeit und ließ seinen Geist in goldenem Glanz erstrahlen.
Ajahn Jayasāro
13/1/26
