Die rechte Sicht der Vergänglichkeit

Einmal klagte ein Mann, der gekommen war, um Ajahn Chah seine Aufwartung zu machen, dass er voller Wut sei und nicht wisse, wie er damit umgehen solle. Er bat Ajahn Chah, ihm zu helfen. Ajahn Chah sagte: „Zeig mir deine Wut.“ Der Mann sah verwirrt aus: „Ich bin gerade nicht wütend, Luang Por.“ Ajahn Chah antwortete, dass er diese Wut, wenn sie wirklich in ihm stecke und wirklich zu ihm gehöre, nach Belieben hervorrufen könne. Die Tatsache, dass er das nicht konnte, zeige, dass es sich nicht um einen bösartigen Aspekt seiner Persönlichkeit handelte, sondern um ein bedingtes Phänomen. Wenn die Bedingungen gegeben waren, tauchte die Wut auf; wenn sie nicht da waren, blieb sie aus.

So viel an buddhistischer Weisheit ist mit dem Verständnis der Bedingtheit verbunden. Den Blick immer wieder auf die vergängliche, unpersönliche Natur aller Phänomene zu richten, die unser Leben ausmachen, ist der Weg zur Freiheit.

Doch das Beobachten des Entstehens und Vergehens von Geisteszuständen führt nicht zwangsläufig zu Weisheit. Die rechte Ansicht ist entscheidend. Ohne sie können selbst die durch Meditation gewonnenen Einsichten in Philosophien integriert werden, die auf dem Konzept des Selbst basieren.Es kommt nicht nur auf die Erfahrung der Vergänglichkeit an, sondern darauf, was sie bedeutet. Das ist es, was zählt.

Ajahn Jayasāro
2/5/26