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Liebe auf den ersten Blick

Ajahn Chah wurde am 17. Juni 1918 in einem kleinen Dorf im Nordosten Thailands geboren. Er trat schon in jungen Jahren in die Sangha ein und machte sich Mitte zwanzig zu Fuß von seinem Heimatkloster aus auf die Suche nach einem Meditationlehrer. Erst mehr als ein Jahr später fand er den Weg zu Luang Boo Man, dem Gründer und bedeutendsten Vertreter der thailändischen Waldtradition. Schon wenige Tage in der Gegenwart des Lehrers reichten aus, um Ajahn Chah entscheidendes Verständnis und lebenslange Inspiration zu vermitteln. 1954 gründete er ein Waldkloster wenige Kilometer von seinem Heimatdorf entfernt und lebte dort bis zu seinem Tod im Jahr 1992.

An einem späten Nachmittag im Jahr 1978 saß Ajahn Chah unterhalb seines Kuti und unterhielt sich mit einigen Mönchen. Es war am Tag des Vollmonds. Die Rezitation des Patimokka war beendet, und eine nächtliche Meditationssitzung stand bevor. Ein Mönch kam herbei, verbeugte sich vor Ajahn Chah und stellte ihm einen weißgekleideten Novizen vor, der gerade aus der Zweiggemeinschaft in England angekommen war. Ajahn Chah sah den jungen Westler an und bedeutete ihm mit einer Geste, näher zu kommen. Der junge Mann kroch auf den Knien auf Ajahn Chah zu, der ihm die Tasse Kräutertee reichte, aus der er gerade trank. Später versuchte der junge Mann in Worte zu fassen, wie er sich bei dieser ersten Begegnung gefühlt hatte. Er sagte, es sei gewesen, als würde man in einer Welt voller Plastikblumen auf eine frische Blume stoßen, in einer Welt voller verstimmter Instrumente auf ein perfekt gestimmtes Musikinstrument, auf einen Spiegel, einen Berg, eine Quelle mit frischem Quellwasser. Der junge Mann wurde dieser Vergleiche nie müde und fügte in den folgenden Jahren immer wieder neue hinzu. Als er selbst schon ein alter Mönch war, fragte ihn ein Teenager, ob er an Liebe auf den ersten Blick glaube. Er antwortete: „Wenn es so kommt…“

Ajahn Jayasāro
16/6/26

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