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Herzensgüte

Als ich in der vergangenen Woche wieder einmal durch Indien reiste, nahm ich eines meiner Lieblingsbücher erneut zur Hand: „The Compassionate Life“ von Marc Ian Barasch. Im Kapitel über Altruismus bezieht sich Barasch auf die Soziologin Kristen Renwick Monroe und wie ihre Studie über Menschen, die Juden bei der Flucht vor den Nazis halfen, die Vorstellung widerlegte, dass jeglicher Altruismus nur getarnter Egoismus sei, der letztendlich darauf abziele, den Genpool zu stärken.

Die mutigen Menschen, mit denen sie sprach, lieferten, wie Monroe es nannte, „eine dramatische Widerlegung der ‚Verwandtenselektionshypothese‘“. Sie erklärte: „Jeder einzelne Retter wusste, dass er durch seine Versuche, Juden zu helfen, seine Familienangehörigen in Gefahr brachte. Im Rahmen der Nazi-Politik der „Verwandtschaftsverantwortung“ konnten ihre Angehörigen, darunter sogar ihre jüngsten Kinder, wegen ihrer Handlungen getötet werden. Das bedeutete … dass diejenigen, die die Gene der Retter teilten, wegen der Handlungen der Retter getötet werden konnten. Die Nazis versuchten somit, Biologie einzusetzen, um Retter abzuschrecken, hatten damit aber keinen Erfolg.“

Monroe stellte fest, dass sich die Retter des Holocaust nicht als besonders tugendhaft betrachteten. Sie kam zu dem Schluss, dass ihre Handlungen das Ergebnis einer unerschütterlichen Überzeugung waren, dass „alle Menschen zu einer … Familie gehören …, was einen so zentralen Kern ihrer Identität bildete, dass es ihnen keine andere Wahl in ihrem Verhalten gegenüber anderen ließ.“

Aus buddhistischer Sicht sagen wir, dass Herzensgüte der natürliche Ausdruck eines klar sehenden Geistes ist.

Ajahn Jayasāro
30/6/26

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