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Finde deine Ruhe und verweile darin

Eines Tages, nachdem ich schon etwa zwanzig Jahre Mönch gewesen war, fragte mich ein Laienanhänger mit einer ungewöhnlichen Gabe, ob es wahr sei, dass ich als Laie eine Zeit lang in einer Höhle im Himalaya gelebt hätte. Ich antwortete, dass das stimme – im Sutlej-Tal nördlich von Simla –, aber dass es nur ein paar Tage gewesen seien. Der Laienanhänger beschrieb daraufhin die Höhle ausführlich und fragte mich, ob seine Beschreibung zutreffend sei. Ich bejahte das. Er fragte: „Warum gerade diese Höhle?“ Ich sagte: „Zufall.“ Er lächelte und meinte, in ferner Vergangenheit sei ich ein Rishi gewesen, der in dieser Höhle gestorben sei, und unter dem Höhlenboden lägen noch immer seine Knochen. Ich sagte, das sei interessant, denn während meines Aufenthalts dort in diesem Leben wäre ich beinahe ein zweites Mal gestorben.

Und so lief es ab: Die Höhle war einer hinduistischen Gottheit geweiht, und ein Brahmanenpriester aus einem nahegelegenen Dorf hetzte die Einheimischen gegen mich auf. Eines Tages kam ich nach einer Meditationssitzung aus der Höhle und sah, wie der Priester eine lange Reihe von Dorfbewohnern den Bergpfad hinaufführte – viele von ihnen trugen Macheten. Sie sahen wütend aus. Der Priester stellte mich zur Rede, mit rotem Gesicht, schreiend und gestikulierend. Die Dorfbewohner schienen kurz davor zu sein, gewalttätig zu werden. Zum Glück trat ein englischsprachiger Lehrer hervor, um für mich zu übersetzen. Ich wies die Vorwürfe zurück. Es war klar, dass der besonnene Ton des Lehrers Wirkung auf die Menge zeigte. In Gedanken flüchtete ich mich in eine einfache Formel: „Bleib ruhig. Finde deine Ruhe und verweile darin. Bleib ruhig.“ Schließlich setzten sich der gesunde Menschenverstand des Lehrers und meine offensichtliche Unschuld durch. Aber um dem Priester das Gesicht zu wahren, willigte ich ein, den Ort sofort zu verlassen. Innerhalb weniger Minuten war ich schon auf dem Weg.

Ajahn Jayasāro
14/7/26

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