
Als ich zum ersten Mal in Thailand war, sprach ich kein Thai. Im Kloster war es schwierig, die Sprache zu lernen, da die meisten meiner Mitmönche und Novizen den Isan-Dialekt (im Grunde Laotisch) sprachen. Also gab ich mir Mühe, Isan zu lernen, und machte bald Fortschritte. Eines Tages saß ich als einer der Begleiter bei Ajahn Chah, als eine Busladung Leute kam, um ihm ihre Ehrerbietung zu erweisen. In einer Gesprächspause zeigte Ajahn Chah auf mich und sagte: „Der Novize da? Er ist kein Westler, er ist Laote.“ (Damals bezeichneten sich die Isaner oft so.) Die Laien starrten mich fasziniert an. Ich war so stolz, als hätte Ajahn Chah mir eine Medaille an die Brust geheftet. „Maen bor?“, fragte er mich, „Stimmt das?“ „Doy khanoi“, antwortete ich, „Ja, Sir.“ Ajahn Chah strahlte seine Gäste an: „Seht ihr, was ich meine?“ Sie wirkten beeindruckt. Tatsächlich konnte ich damals nicht mehr als ein paar einfache Sätze sprechen. Aber von deinem Lehrer für irgendetwas gelobt zu werden, ist einfach wunderbar.
Nachdem die Gäste gegangen waren, nahm Ajahn Chah sein von Betel verfärbtes Gebiss heraus, hielt es mir entgegen und erteilte mir Anweisungen mit einer schnellen, lispelnden Stimme, von der ich kein Wort verstand. Ajahn Chah wandte sich murrend ab: „Dieser ausländische Novize, was für ein Begleiter ist das denn? Versteht kein Wort von dem, was ich sage.“ Es war harte Kritik, und traf mich wie ein Messerstich ins Herz.
So lehrte uns Ajahn Chah. Er musste keine Dhamma-Vorträge über Lob und Tadel, Status und Statusverlust halten. Er ließ uns selbst erkennen, wie diese Dinge den unaufmerksamen Geist beeinflussen und wie wichtig es ist, den Geist vor ihnen zu schützen.
Ajahn Jayasāro
21/7/26
