Der Wunsch ist nicht das Problem

Meditation beginnt mit dem Wunsch (chanda) zu meditieren. Dieser Wunsch ist kein Problem. Im Gegenteil: Er sollte kultiviert werden; er ist Teil des Pfades. Chanda ist das erste der vier iddhipādas (Grundlagen des Erfolgs). Rechte Anstrengung gründet auf dieser Art von Wunsch.
Tatsächlich sagte der Buddha, dass chanda die Wurzel aller heilsamen Kultivierung ist. Die Herausforderung besteht also nicht darin, jeden Wunsch aufzugeben, sondern nur denjenigen, der aus Unwissenheit und geistiger Verunreinigung (tanhā) entspringt. Das auf Unwissenheit beruhende Verlangen will etwas bekommen, genießen, erfahren, loswerden, sein oder werden. Die weise Form des Wünschens möchte Gutes tun und die Ursachen und Bedingungen für Befreiung schaffen.
Der Unterschied zwischen diesen beiden Arten des Wünschens ist nicht bloß eine Frage der Wortwahl oder der Philosophie. Er beruht auf dem nachprüfbaren Gegensatz ihrer Wirkungen auf den Geist und kann vom Dhamma-Praktizierenden unmittelbar erfahren werden.
Im Westen haben sowohl Wissenschaftler als auch Kritiker des Buddhismus den entscheidenden Unterschied zwischen heilsamem und unheilsamem, weisem und unweisem Wünschen häufig übersehen. Das mag daran liegen, dass es im Englischen keine unterschiedlichen Begriffe gibt, um diesen Unterschied auszudrücken. Hinzu kommt, dass das Wort chanda für sich genommen ein neutraler Begriff ist und gelegentlich auch als Bezeichnung für ein Geistesgift erscheinen kann. Kāmachanda, sinnliches Verlangen, das erste der fünf Hemmnisse, ist ein bekanntes Beispiel. Betrachtet man jedoch den Sprachgebrauch des Buddha, verwendet er chanda meist als verkürzte Form von „Dhamma-chanda”. Was auch immer der Grund für diese Uneinheitlichkeit sein mag, entscheidend ist, dass es für die Dhamma-Praxis von wesentlicher Bedeutung ist, die rechte Motivation zu entwickeln und aufrechtzuerhalten und zwischen tanhā und (Dhamma) chanda unterscheiden zu können.

Ajahn Jayasāro
25/7/26