Beurteile niemals ein Buch nach seinem Einband

1975 schrieb der englische Humorist Alan Coren ein Buch mit einem ungewöhnlichen Titel. Nachdem er recherchiert hatte, welche Arten von Büchern in jenem Jahr am beliebtesten waren, beschloss er, auf dem Titelblatt unter dem Titel „Golfing for Cats“ ein großes schwarzes Hakenkreuz abzubilden.
Meiner Generation wurde die Diskrepanz zwischen dem äußeren Erscheinungsbild der Menschen und ihrer inneren Realität anhand einer Buchmetapher verdeutlicht. Ich erinnere mich, dass mein Vater mich schon in jungen Jahren warnte, ein Buch niemals nach seinem Einband zu beurteilen. Später entdeckte ich, dass Shakespeare dieses Thema in „Hamlet“ weiter ausführte: „Ein Mann kann immer freundlich lächeln und dennoch ein Schurke sein.“
Trotz solcher guten Ratschläge ist es ernüchternd, wie sehr wir andere Menschen dennoch nach ihrem Aussehen beurteilen. In Feingolds Metaanalyse von 1992* mit dem Titel „Good Looking People are Not What we Think“ stellte er fest, dass Menschen im Allgemeinen die psychische Gesundheit, die Güte und die Intelligenz attraktiver Menschen durchweg überbewerteten. Untersuchungen zeigten jedoch, dass die allgemeine Wahrnehmung, attraktive Menschen seien selbstbewusster, sozial kompetenter und hätten mehr Freunde, tatsächlich durchaus zutreffend war. Mit anderen Worten: Attraktive Menschen profitieren davon, wie sie von anderen wahrgenommen werden.
In den Suttas sagte der Buddha, dass manche Mönche sich der Welt auf sehr inspirierende Weise präsentieren, in ihrem Innenleben jedoch genau das Gegenteil sind. Er verglich solche Mönche mit Früchten, die außen reif, innen aber verfault sind. Ebenso sagte er, dass manche Mönche äußerlich nicht besonders inspirierend wirken, innerlich aber hoch entwickelt sind. Er verglich solche Mönche mit Früchten, die außen verfault sind.

Ajahn Jayasāro
1/9/26