Eine unerwartete Lektion

Eines Tages im Jahr 1983 traf in meinem Kloster, dem Wat Pah Nanachat, ein Karton mit Büchern und einem Begleitbrief ein. Der Brief enthielt die Bitte um Unterstützung bei der Übersetzung der Werke des berühmten und etwas umstrittenen Lehrers Ajahn Buddhadāsa. Wir wollten helfen, aber nur wenige Mönche verfügten über die nötigen Sprachkenntnisse, und diejenigen, die sie besaßen, hatten keine Zeit. Schließlich nahm ich eines der Bücher aus dem Karton und meldete mich freiwillig.

In jenem Jahr verbrachte ich die Regenzeit in einem Kloster an der kambodschanischen Grenze, das bei Mücken sehr beliebt war. Der Abt stand dem Projekt etwas misstrauisch gegenüber; er sah darin eine Ablenkung von der Meditation. Alle paar Tage ging er an meinem Kuti vorbei, zu einer Zeit, von der er wusste, dass ich am Manuskript arbeiten würde. Nachdem er mich einen Moment lang schweigend beobachtet hatte, sagte er immer dasselbe: „Pass auf, dass du keine Fehler machst. Wenn du das tust, wirst du in einem Höllenreich wiedergeboren.“ Ich fand diese Worte nicht so ermutigend, wie er es sich vielleicht erhofft hatte. Aber jetzt wird mir klar, dass er mir eine Lehre mitgab, die mir im Gedächtnis geblieben ist: Versuche nicht, jemanden bei einer schwierigen Aufgabe zu unterstützen, indem du ihm die schlimmen Folgen seines Scheiterns vor Augen führst.

Es gibt so viele inspirierende Lehren da draußen, vermittelt von wahren Vorbildern. Aber vielleicht sind die Lehren, die am leichtesten in unsere Herzen dringen und die tiefsten Spuren hinterlassen, nicht unbedingt die, die uns sofort aufmuntern. Es sind vielmehr jene, die uns Einstellungen und Worte aufzeigen, die wir um jeden Preis vermeiden sollten. Lasst uns heute unsere Verdienste mit all jenen teilen, die uns solche Lehren vermittelt haben.


Ajahn Jayasāro


22/9/26