
Es regnet schon seit ein paar Tagen. Grauer Himmel und farbenprächtige Bäume. Ich bin heute Morgen mit einer völlig durchnässten Robe von der Almosenrunde zurückgekommen. Die Almosenrunde im Regen ist nicht ganz einfach. Mit der rechten Hand die Almosenschale zu öffnen und zu schließen, während man in der linken Hand einen Regenschirm hält, wird mit zunehmendem Alter zu einer immer größeren Herausforderung. Und wenn der Regen schräg hereinpeitscht, nützt der Regenschirm ohnehin nicht viel.
Aber die Almosenrunde im Regen ist auch belebend. Der Regen hat eine Energie, die ich genieße. Und zu sehen, wie die Menschen in ihren Plastikregenjacken am Straßenrand stehen und darauf warten, Essen in meine Schale zu legen, ist erhebend. Es ist ein wunderschöner Ausdruck der Hingabe und Großzügigkeit meiner Laienanhänger.
Als ich heute Morgen die Straße entlang zum Dorf ging, dachte ich über die Frage nach: Wo beginnt und wo endet der Regen? Als ich beobachtete, wie die Regentropfen von der asphaltierten Straße abprallten, wurde mir klar: „Ich beobachte den Tod des Regens.“ Vor meinen Augen wurden die Regentropfen als Wasser wiedergeboren.
Wenn wir genauer hinschauen, wird klar, dass es keine Substantive gibt. Substantive sind Wörter, die wir geschaffen haben, um die Verben zu beschreiben, aus denen unser Leben besteht. Das Wetter ist ein Verb, Wolken sind Verben, Regentropfen sind Verben, Pfützen sind Verben. Ein nasser alter Mönch, der sich darauf freut, in sein Kuti zurückzukehren und sich eine heiße Tasse Tee zu kochen, ist ein Verb.
Ajahn Jayasāro,
26/9/26
