
Einmal sagt Kevatta, ein junger Brahmane aus Nalanda, zum Buddha, dass seine Stadt groß und wohlhabend sei. Wenn der Buddha einen seiner Schüler anweisen würde, eine übernatürliche Kraft zu demonstrieren, würden sich noch viel mehr Menschen ihm zuwenden. Er stellt seine Bitte dreimal und wird dreimal abgelehnt. Nach der dritten Ablehnung stellt der Buddha klar: Es gebe drei Arten von Wundern: das Wunder der übersinnlichen Kräfte, das Wunder des Gedankenlesens und das Wunder der Belehrung. Er bediene sich nur der dritten.
Der Buddha verweist dann ganz sachlich auf übersinnliche Kräfte, die unter seinen Schülern vorhanden sind, wie zum Beispiel die Fähigkeit, ungehindert durch eine Wand oder einen Berg zu gehen; auf Wasser zu laufen, als wäre es Erde; mit gekreuzten Beinen durch die Luft zu fliegen. Er spricht über die Fähigkeit, die Gedanken, Gedankengänge und Geisteszustände anderer zu erkennen. In beiden Fällen argumentiert der Buddha, dass viele Menschen, denen der Glaube an ihn fehlt, von der Demonstration solch wundersamer Fähigkeiten nicht beeindruckt wären. Sie würden sie einfach als Tricks oder Zauberei abtun oder annehmen, dass Berichte darüber auf die Leichtgläubigkeit derer zurückzuführen seien, die das Gesehene für bare Münze nehmen. Aus diesem Grund lehnt der Buddha solche Darbietungen in aller Deutlichkeit ab.
Der Buddha skizziert dann seine Lehren darüber, wie die Dinge wirklich sind, und über den Weg der Dhamma-Praxis. Diese Lehren sind den beiden anderen Wundern überlegen, weil sie nicht nur unterhalten, sondern verwandeln. Im Laufe der Jahrhunderte konnten so viele Menschen, die in Gier, Abneigung und Verblendung verstrickt waren, die Wahrheiten schätzen lernen, die der Buddha offenbart hat. Dadurch konnten sie sich zum Besseren verändern und sogar Stufen der Erleuchtung erreichen. Das ist das größte Wunder.
Ajahn Jayasāro
24/10/26

