Premortem – Argue better (before the end) / Besser Streiten (vor dem Ende)

Eine Postmortem-Examination bezieht sich normalerweise auf die Untersuchung einer Leiche, um den Todeszeitpunkt und die Todesursache zu bestimmen.

Weniger bekannt allerdings ist die Premortem Untersuchung. Diese Bezeichnung steht für eine betriebswirtschaftlichen Führungsstrategie, die darauf abzielt, das Implementieren schlechter betrieblicher Entscheidungen zu verhindern, die aufgrund der Zurückhaltung mancher Projektteilnehmer herrührt, ihre Zweifel zu äußern, um die Gruppenharmonie nicht zu gefährden oder schlicht aus Untergebenheit gegenüber den Führungspersonen heraus. In einer Premortem-Übung werden Entscheidungsmacher gefragt, sich vorzustellen, es sei schon ein ganzes Jahr vergangen, seit ihre Entscheidung umgesetzt wurde, diese sich jedoch als katastrophaler Fehlschlag erwies. Ihre Aufgabe dabei ist es nun, die Ursachen dieses Fehlschlags zu analysieren. Diese Übung bietet den Entscheidungsträgern den Freiraum, sich ihrer Bedenken und Zweifel bewusster zu werden und sie eingehender auf ihre Gültig- und Schlüssigkeit zu überprüfen, bevor sie zu einer Entscheidungsfindung kommen.

Müssen Entscheidungen in einer Gruppe getroffen werden, ist es weise, eine Umgebung und Atmosphäre zu schaffen, in der sich jeder einzelne frei fühlen kann, begründete Kritik zu äußern, ohne gleich als schwierig, störend oder illoyal betrachtet zu werden. Gruppenharmonie sollte mehr in der Durchführungsphase, als in der Entscheidungsfindungsphase selbst, betont werden. Solange die Prinzipien von gegenseitigem Respekt und rechter Rede eingehalten werden, sind kleine Meinungsverschiedenheiten keine schlechte Sache.

Ajahn Jayasāro