Ein Geist wie Wasser

Es ist Songkran, das thailändische Neujahrsfest. Wasser spielt bei den Feierlichkeiten eine wichtige Rolle. Die Menschen bewerfen sich auf den Straßen gegenseitig mit Wasser, und in ihren Häusern und Klöstern führen sie das rituelle Waschen der Hände von Älteren und Lehrern durch. Also heute ein bisschen Wasser-Dhamma. Beide Passagen stammen aus einer Lehrrede, die der Buddha seinem Sohn Rāhula hielt (MN 62):
„Rāhula, was ist das Wasserelement? Das Wasserelement kann entweder innerlich oder äußerlich sein. Was ist das innere Wasserelement? Was immer an inneren, zu einem selbst gehörenden Dingen, Wasser, wäßrig und Objekt der Anhaftung ist, also Galle, Schleim, Eiter, Blut, Schweiß, Fett, Tränen, Talg, Speichel, Rotz, Gelenkschmiere, Urin…… Dies nennt man das innere Wasserelement. Sowohl das innere Wasserelement, als auch das äußere Wasserelement sind einfach nur Wasserelement. Und das sollte mit angemessener Weisheit der Wirklichkeit entsprechend gesehen werden: ,Dies ist nicht mein, dies bin ich nicht, dies ist nicht mein Selbst.‘ Wenn man es mit angemessener Weisheit der Wirklichkeit entsprechend sieht, wird man gegenüber dem Wasserelement ernüchtert und macht das Herz begierdelos in Bezug auf das Wasserelement.“

„Rāhula, kultiviere deinen Geist, als wäre er Wasser; denn wenn du das tust, werden erschienene angenehme und unangenehme Kontakte nicht in dein Herz eindringen und dort bleiben. Gerade so wie die Leute saubere Dinge und schmutzige Dinge, voll Kot, Urin, Speichel, Eiter und Blut im Wasser waschen, und das Wasser deswegen nicht entsetzt, gedemütigt und angewidert wird, so kultiviere auch du, Rāhula, deinen Geist als wäre er Wasser.“

Ajahn Jayasāro
14/4/26