
Der Theravāda verfolgt beim Helfen anderer einen eher bescheidenen und zurückhaltenden Ansatz. Während das Bodhisattva Gelübde mutig erklärt: „Leidende Wesen sind jenseits aller Zahl; ich gelobe, sie alle zu retten“, sind Theravādins vorsichtiger. Sie sagen: „Leidende Wesen sind jenseits aller Zahl; ich werde versuchen, ihr Leiden zu vermindern, wo immer ich kann und so gut ich kann.“
Beide Ansätze erkennen die Herausforderung an, der sich alle gegenübersehen, die Gutes in der Welt tun möchten: Wie macht man weiter, wenn man auf das große Ganze blickt und nichts von dem, was man tut, einen großen Unterschied zu machen scheint?
Der Theravāda Ansatz beruht auf der Akzeptanz, dass wir zwar verstehen, dass zahllose Wesen durch anfangslose Daseinsbereiche wandern, wir aber aus direkter Erfahrung nur wissen können, was genau hier in diesem Körper und Geist, jetzt gerade, geschieht. Alles, wofür wir Verantwortung übernehmen können, ist dieser gegenwärtige Augenblick. Daher lernen wir, Gewahrsein im gegenwärtigen Augenblick zu verankern, unserer einzigen Wirklichkeit. Und in jedem folgenden Augenblick tun wir unser Bestes. Für uns selbst und für andere. Denn zwischen beidem besteht kein wirklicher Konflikt.
Ajahn Jayasāro
23/5/26
