Mettā leben

DDie Dhamma-Praxis wirkt sowohl von innen nach außen als auch von außen nach innen.
Ein Beispiel dafür ist, wie die Mettā-Praxis unser Verhalten verbessert. Indem wir immer wieder Gedanken des Wohlwollens gegenüber allen Wesen ohne Ausnahme entwickeln, werden diese Gedanken zum Standardmodus in unserem Geist. Infolgedessen entstehen immer weniger wütende, aggressive, gehässige und rachsüchtige Gedanken. Mit dem Nachlassen dieser Gedanken verringern sich folglich auch die Gelegenheiten, bei denen wir gewalttätig handeln oder sprechen. Es fällt uns leichter, den Menschen um uns herum das Geschenk der Sicherheit zu machen. So trägt die innere Kultivierung zur Läuterung von Sīla bei.
Gleichzeitig wird Mettā, vielleicht weniger offensichtlich, durch die Praxis von Sīla gestärkt. Wenn wir uns beständig die Entschlossenheit vor Augen halten, von jeder Art körperlicher und verbaler Gewalt Abstand zu nehmen, schwächt diese standhafte Weigerung, wütende, aggressive, gehässige und rachsüchtige Gedanken in die Tat umzusetzen, diese Gedanken. Ohne äußeren Ausdruck, der sie nährt, verkümmern sie und schaffen Raum, in dem Mettā gedeihen kann. Selbst ohne regelmäßige Mettā-Praxis entstehen spontane Gedanken der Zuneigung und des Mitgefühls für andere – Menschen, Tiere, Insekten, sogar Kakerlaken, Eidechsen und Schlangen – durch den Verzicht auf jede Art von Gewalt ihnen gegenüber. So trägt äußere Zurückhaltung zur Läuterung des Geistes bei.

Ajahn Jayasāro
22/8/26